Die Geschichte

Warum ich fahre. Wie es mich verändert hat. Warum diese Herausforderung.

Cape Town — cycling
Me and her

Ich begann mit dem Radfahren im Alter von 37 Jahren.

Davor war ich kein Ausdauersportler. Ich wog fast 90 kg, trieb keinen echten Ausdauersport und bemerkte, dass mir schon nach wenigen Treppenstufen die Luft ausging. Ich spielte etwas Golf, aber nichts Ernsthaftes.

Das Radfahren kam fast zufällig in mein Leben.

Meine Frau buchte mir einen Fitnesstest. Das Ergebnis war schlecht genug, dass der Trainer mir sehr direkt sagte, ich müsse anfangen, mich zu bewegen. Wegen Knieproblemen empfahl er mir das Radfahren.

Meine erste Fahrt war auf einem Heimtrainer.

Weniger als 10 Kilometer.

Ich war völlig außer Atem — und so verschwitzt wie noch nie.

Aber ich machte weiter.

Und dann passierte etwas.

Ich wurde besser.

Schnell.

Ich konnte es messen, verstehen und die Fortschritte in Echtzeit sehen. Herzfrequenz, Leistung, Kadenz, Müdigkeit, Erholung — das Radfahren gab mir Zahlen, aber auch eine Richtung. Es wurde zu einem Weg, mich selbst besser kennen zu lernen.

Es veränderte auch mein Leben jenseits des Fahrrads.

Ich begann besser zu schlafen und lernte die Bedeutung von Erholung und Ruhe kennen. Ich achtete mehr auf meine Ernährung, verbesserte meine Essgewohnheiten und nahm schrittweise ab. Von fast 90 kg erreichte ich 71 kg und stabilisierte mich dann bei 76 kg.

Insgesamt half mir das Radfahren, ein gesünderes, stärkeres und ausgeglicheneres Leben aufzubauen.

Mont Ventoux
Cyclotour du Léman — June 2023

Juni 2023

Ich fuhr den Cyclotour du Léman, eine 176 Kilometer lange Cyclosportive rund um den Genfersee. Ich absolvierte ihn in 4 Stunden, 33 Minuten und 48 Sekunden bei einem Durchschnitt von 38,6 km/h.

176km DISTANZ
4:33:48 h:mm:ss ZIELZEIT
38.6km/h Ø GESCHWINDIGKEIT

Zu dieser Zeit war ich wahrscheinlich in der besten Form meines Lebens.

Einen Monat später änderte sich alles.

Als ich nach der Arbeit mit dem Fahrrad nach Hause fuhr, bog ein entgegenkommendes Auto plötzlich in meine Fahrspur ab. Ich fuhr mit mehr als 40 km/h. Es gab keine Möglichkeit, den Zusammenstoss zu vermeiden.

Ich prallte gegen das Auto und verlor das Bewusstsein.

Als ich aufwachte, waren beide Beine gebrochen. Die Hüfte war gebrochen. Der Kiefer war zusammen mit mehreren Zähnen gebrochen. Eine Lunge war beschädigt. Mein Körper war übersät mit Schnitten und Blutergüssen.

Es folgten Operationen, Rehabilitation, Schmerzen und Ungewissheit.

Die Ärzteschätzten, dass es sechs Monate dauern würde, bis ich wieder gehen könnte.

Nach drei Monaten konnte ich wieder gehen.

Rehabilitation — rebuilding after the accident Recovery — the months after the accident

Es war eine der härtesten Phasen meines Lebens.

Mein Körper war gebrochen.

Mein Geist auch.

Zunächst fiel es mir schwer zu akzeptieren, was passiert war. Dann fiel es mir schwer zu akzeptieren, wer ich danach geworden war.

Dennoch blieb das Radfahren Teil meiner Genesung.

Sobald ich körperlich dazu in der Lage war, stieg ich wieder auf das Fahrrad. Nicht um Leistung oder ehrgeizige Ziele zu verfolgen, sondern einfach um wieder zu fahren.

Was sich einst natürlich angefühlt hatte, fühlte sich plötzlich anders an.

Sogar das alleine Fahren wurde zur Herausforderung.

Ich musste Vertrauen aufbauen, meinem Körper wieder vertrauen und lernen, mit den Erinnerungen an den Unfall zu leben. Die Genesung war nicht nur körperlich. Sie war auch mental.

Im Dezember 2025 unterzog ich mich einer weiteren Operation, um das Metall aus meiner Hüfte zu entfernen, das anhaltende Schmerzen verursacht hatte. Seitdem hat sich die Situation verbessert.

Teide — back on the bike

Heute fahre ich Rad.

Nicht weil es einfach ist.

Nicht weil ich von Natur aus dafür gebaut bin.

Ganz im Gegenteil.

Ich bin kein Kletterer. Ich bin für einen Radfahrer relativ schwer. Mein Leistungsprofil ist eher das eines Sprinters als das eines Bergfahrers. Ich bin auch ein geschäftiger Unternehmer, der in eine Unternehmensgruppe eingebunden ist, was bedeutet, dass die Zeit immer begrenzt ist.

Genau deshalb ist diese Herausforderung wichtig.

Das Ziel ist es, mehr als 125 Bergpässe in der Schweiz zu bezwingen — meinem Heimatland, das 48 Gipfel über 4 000 m und die höchste Dichte asphaltierter Bergpässe der Welt aufweist.

Dazu werde ich über viele Jahre hinweg trainieren, planen, reisen, leiden und konsequent bleiben müssen.

Aber dieses Projekt geht über das Radfahren hinaus.

Es geht darum, die Schweiz von der Strasse aus neu zu entdecken.

Es geht darum, immer wieder die Komfortzone zu verlassen.

Es geht darum, mir selbst zu beweisen, dass schwierige Dinge es noch wert sind, verfolgt zu werden.

Es geht um Resilienz.

Es geht um Wachstum.

Und vielleicht geht es vor allem darum, sicherzustellen, dass der Unfall nicht das letzte Wort hat.

Gotthard Pass — the challenge ahead

Ein Pass nach dem anderen.

Ein Jahr nach dem anderen.

Ein langer Aufstieg.

Treu der Strasse.

Treu dem Berg.

Treu der Herausforderung.